Eindrücke und Gedanken zum Treffen von Fratello am 6 Juli 2020

Ein Bericht und Fotos von Gudrun Lipka-Basar – Danke an sie!

Die Sonne scheint endlich nach zahlreichen Regengüssen und Windböen an diesem Tag. Der Wechsel des Wetters als Bild für den Wechsel im Leben wird uns heute begleiten. Ich stehe vor einer der weit geöffneten Türen des „Kleinen Michel“ und genieße die Sonnenstrahlen. Einige wenige Besucher sind schon in der Kirche, andere begrüßen sich auf dem Kirchenvorplatz. Man freut sich, den anderen zu sehen. Heute ist meine dritte Teilnahme bei Fratello, die beiden anderen Treffen waren vor Corona.

Leise Musik aus der Kirche.

Vor dem Altar steht ein Bild von Sieger Köder „Das Mahl der Sünder“. Jeder bekommt einen kleinen Zettel mit einer Kopie des Bildes. Die Fratelloianer*innen haben Platz unter Einhaltung der Corona-Bestimmungen genommen, es sind weniger Menschen als sonst.

Die Andacht

Psalm 23 / Der Gute Hirte

Ubi caritas et amor, ubi caritas Deus ibi est -Wo Nächstenliebe ist und Liebe, dort ist Gott.

Musik und Worte sind zurückhaltend aber präsent. Ich habe das Gefühl, sie tragen mich – jetzt und während der gesamten Andacht.

Das Evangelium / Mt 11, 25–30

Pastor Bezikofer wirft Fragen auf, gibt Impulse. Was heißt es, jemanden zu kennen, sich selbst zu kennen? Jemanden ansehen, akzeptieren, lieben – so wie Gott uns begegnet!

Unsere Blicke werden auf das Bild vor dem Altar gerichtet:

Menschen verschiedener Herkunft, mit verschiedenen Biografien, zum Teil gezeichnet vom Leben sitzen gemeinsam am Tisch des Herrn. Wir sehen ihn nicht, nur seine Hände, die das Brot halten. Aber wir fühlen seinen Blick auf Augenhöhe und die Liebe, die keinen Unterschied macht zwischen den Menschen. Eine Liebe, die unaufdringlich aber anwesend ist, so wie die einzelne Rose auf dem Tisch.

Es ist schon merkwürdig. Ich kannte das Bild aus dem ARD Fernsehgottesdienst zu Fronleichnam. Da war mein Zugang ein eher theoretischer.

Heute ist das anders. Ich erinnere mich an einen Spiegel, den wir in unserer Gemeinde einmal vor den Altar gestellt haben. Er spiegelte für die Menschen in der Kirche ein sonst eher kaum wahrnehmbares Kirchenfenster in hellem Licht.

Das Bild vor dem Altar ist heute für mich genauso ein Spiegel. Ich sehe uns, die wir hier versammelt sind. Wir miteinander auf Augenhöhe, mit unseren unterschiedlichen Lebenswegen und doch gleich in der von Gott gegebenen Würde. Und Gott sieht uns an und macht in seiner Liebe keinen Unterschied.

Das gibt ein Gefühl der Gemeinschaft, das auch beim Vortragen unserer Fürbitten spürbar wird und das uns in dieser besonderen Zeit hoffentlich auch tragen kann.

Ich freue mich auf das nächste Treffen.

Fratello-Treffen vom 08.06.20

Ein Bericht von Ulrike Götz, mit Fotos von Ulrich Thiele – Danke an sie!

Wo Nächstenliebe ist

Fratello – Gottesdienst im Kleinen Michel am 08. 06. 2020

„Darf ich Ihre Telefonnummer aufschreiben?“ Ja, der nette Herr am Eingang darf. Jetzt noch die Hände desinfizieren und dann gehe ich endlich durch den Mittelgang im Kleinen Michel. Ich setze mich auf einen der markierten Plätze und genieße. Ich genieße es wieder hier zu sein nach langen Wochen.

Einige Reihen vor mir sitzt meine Bekannte. Sie dreht sich um und winkt mir zu. Der Gottesdienst der Gruppe „fratello“ hat begonnen. Wegen der Schutzmaßnahmen fällt der gemeinsame Gesang weg. Der Kantor singt alleine. Anfangs wirkt es fremd. Andererseits kann ich mich dadurch zurücklehnen. Ich muss nicht mitsingen, kann der Melodie folgen. So wird es zum Geschenk.

Der 23. Psalm wird verlesen. Unterbrochen wird die Lesung mit dem Taizé-Gesang „Ubi caritas et amaor, ubi caritas Deus ibi est.“ (Wo Nächstenliebe und Liebe sind, da ist Gott.) So bekommt der Psalm eine neue Bedeutung. Weil Gott für mich sorgt, kann ich für andere sorgen.

Dazu passt die Predigt. Es geht um Elija, der zweimal von Gott versorgt wurde, einmal von einem Engel und ein weiteres Mal von einem Raben. Jeder Besucher bekommt ein kleines Bild von Elija mit dem Raben geschenkt.

Es folgen die Bitten, die die Gottesdienstbesucher laut aussprechen können. Als Symbol dafür, dass die Gebete Gott erreichen, wird für jede Bitte Weihrauch in eine Schale gelegt und verbrannt. Eine Frau geht nach vorne und während sie betet, fängt sie an zu weinen. Durch den Mundschutz ist sie kaum zu verstehen. Doch derjenige, an den ihre Bitten gerichtet sind, versteht.

Nach dem Segen wird angesagt, dass das gemeinsame Essen, welches sonst bei fratello-Treffen üblich ist, ausfallen muss. Stattdessen werden auf dem Hof Lunchpakete verteilt.

Auf dem Hof stehen wir noch ein wenig zusammen. Es bleiben Lunchpakete über. Ein Mitarbeiter von Alimaus, eine Organisation für Obdachlose und bedürftige Menschen, nimmt sie mit. Liebe findet ihren Weg. Ubi caritas Deus ibi est.

12. 06. 2020

Ulrike Götz

Bericht über das Fratello-Treffen vom 24.02.2020

Am 24.02.20 haben wir als Themenabend eine Aktion gegen Wohnungsnot vorbereitet : Siehe den 4-seitigen untenstehenden PDF-Bericht (um durchzublättern, den Pfeil, der unten beim Überfahren mit der Maus erscheint, einfach drücken)

Diese Aktion ist wegen der Coronakrise verschoben worden. Wir werden euch auf dieser Website auf dem Laufenden halten.